Ein leckerer Beitrag von Kochpoetin für unser Winter-Blog-Event „Körner & Hülsenfrüchte“. Vielen Dank! Guten Appetit! Afiyet olsun!

Die Anspruchslose in neuem Gewand

Veröffentlicht am 14. Januar 2014Kochpoetin1-Hülsenfrüchteevent

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Als ich beschloss, rote Linsen in mein Eiweißbrot zu geben, recherchierte ich ein wenig zum Thema Linsen im Allgemeinen. Ich stellte erstaunt fest, dass die unscheinbare Hülsenfrucht schon seit Beginn des Ackerbaus zu den fünf wesentlichen Nutzpflanzen zählt und dass sie, gemeinsam mit Getreideprodukten im Verhältnis 1:3, ein Teil Linsen auf drei Teile Getreide, eine Wertigkeit des Eiweißes für den Menschen von etwa 100% (was dem Hühnerei entspricht) erreicht. Muskelfleisch hingegen kommt “nur” auf eine Wertigkeit von 89%. Erstaunlich. Das macht Linsen für eine fleischarme oder -lose Ernährung sehr interessant. Leider werden sie oft zu unansehnlichen Suppen verkocht. Ich hatte von der letzten Tortenproduktion noch 3 Eigelbe übrig und von meiner Mutter ein neues Gebiss geschenkt bekommen, nein, keins für den Mund, ein zum Ravioliformen. Was lag also näher, die anspruchslose, unscheinbare Tellerlinse in ein edles Teiggewand zu kleiden?

Für den Ravioliteig:
60 g Weizenmehl 405er
40 g Weizendunst
40 g Hartweizenmehl
3 Eigelb (ca. 60 g)
1 TL Olivenöl
1 Pr. Salz
2-3 EL Wasser

Für die Füllung:
100 g braune Tellerlinsen (Sorte beliebig)
300 g Wasser
1 kleine Möhre, in winzige Würfel geschnitten
1 Scheibchen Knollensellerie, in winzige Würfel geschnitten
1 kleine Pastinake, in winzige Würfel geschnitten
1 Schalotte, fein gewürfelt ca. 30 g Hartkäse, gerieben
1 TL Apfelessig
1 TL Muscovadozucker
Salz, Pfeffer
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Während Herr H. sich um die Brunoise-Produktion kümmerte, knetete ich die Pastateigzutaten ca. 10 Minuten zu einem geschmeidigen Teig, den nun abgedeckt mindestens eine Stunde lang bei Zimmertemperatur ruhen durfte. Danach schwitzte ich zunächst die Schalotte an, gab die restlichen Gemüsewürfel hinzu und ließ sie einige Minuten schmurgeln. Ich gab die Linsen und ca. 300 g Wasser zu dem Gemüse und ließ sie auf kleiner Flamme ca. 45 Minuten köcheln. Ich brauchte kein zusätzliches Wasser, aber es kann passieren, dass das Wasser verdunstet ist, bevor die Linsen gar sind. Man kann das leicht durch ein Rütteln am Topf kontrollieren. Beginnen die Linsen anzusetzen, fügt man einfach noch ein wenig heißes Wasser hinzu.

Nachdem die Linsen gegart waren, ließ ich sie in einer Schüssel auskühlen, würzte mit Zucker, Salz, Pfeffer und Essig und vermengte sie nach dem Erkalten mit dem geriebenen Käse.

Herr H. hatte derweil den Backofen auf 130°C vorgeheizt und 2 gute Hände voll schmackhafter Tomätchen, manchmal bekommt man sie sogar um diese Jahreszeit z. B. aus den Niederlanden, halbiert, mit Olivenöl beträufelt und gesalzen. Sie durften nun eine gute Stunde im Ofen confieren.

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Ich knetete den Ravioliteig portionsweise mit der Nudelmaschine und rollte jede Bahn bis zur zweitdünnsten Stufe aus. Dann stach ich mit der Rückseite des “Gebisses” Kreise aus, drehte es um und legte den Teigkreis hinein. Darauf gab ich einen gehäuften EL Füllung, bestrich eine Hälfte des Randes mit wenig Wasser und klappte es zusammen. Fertig Ravioli. Es klingt umständlicher, als es ist. Mit ein wenig Übung konnte ich den kompletten Teig in ca. einer halben Stunde zu wunderbar wohlgeformten Ravioli verarbeiten. Es geht auf diese Weise eindeutig schneller, als mit einem Dessertring als Ausstecher. Die fertigen Ravioli lagerte ich auf einer mit Gries bestreuten Leinwand. Als alle fertig waren, ließ ich sie portionsweise in leicht siedendem Wasser 3-4 Minuten ziehen und schreckte sie anschließend kalt ab.

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Herr H. hatte derweil vom unverhofft geschenkten Schinken (vielen Dank noch einmal, Toettchen!) einige möglichst dünne Scheiben gehobelt und in der Pfanne mit wenig Olivenöl knusprig gebraten. Die fertigen Scheibchen durften im warmen Backofen auf den Verzehr warten. Ich gab etwas Butter und einige Thymianblättchen in die “Schinkenpfanne” und schwenkte die Ravioli portionsweise darin. Es roch so unglaublich lecker, dass es beinahe keine Fotos vom fertigen Essen gegeben hätte, aber Herr H.s eiserner Will rettete uns.

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Fazit: Ich konnte nicht warten, bis wir gesittet am Tisch saßen und stiebitzte ein Ravioli vom Teller, biss hinein und seufzte wohlig. Es schmeckte absolut unglaublich köstlich. Ich bot Herrn H. die zweite Hälfte an und er bestätigte mein Urteil. Es blieb kein einziges Fitzelchen übrig. In Kombination mit den aromatischen Tomätchen und den knusprig, kräftigen Schinken waren die neu gewandten unscheinbaren Linsen große Stars. Und sie wanderten gewiss nicht zum letzten Mal in die Nudel! Und da Ninive mich gerade darauf hinwies, darf dieser Beitrag an Semihas wunderbarem Hülsenfrüchte-Winterevent teilnehmen!Blogevent-Grains-Pulses

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