Jedes Mal wenn ich mich in eine neue Materie einarbeite, brauche ich viel Geduld und Zeit, bis ich die Handgriffe kenne und sie sicher anwenden kann. Insbesondere wenn ich mich in eine neue Landesküche einarbeite, brauche ich für die angegebenen Rezepte beim ersten Versuch länger als sonst. Was mir in der türkischen Küche einfach und fast blind von der Hand geht, braucht in der neuen Länderküche seine Zeit. So können die einfachsten Speisen zu neuen Herausforderungen werden. Aus diesen Gründen habe ich vollstes Verständnis dafür, dass viele davor zurück schrecken, sich in die türkische Küche einzuarbeiten, weil sie noch nie türkisch gekocht haben.

Manchmal reichen Rezepte einfach nicht aus, man sehnt sich nach einer kleinen Schritt-für-Schritt Anleitung. Noch besser ist es, wenn man einem Koch bei der Zubereitung über die Schulter gucken oder selbst unter Aufsicht kochen kann.

Einer der türkischen Speisen, nach der ich immer wieder gefragt werde, ist der türkische Reis. Egal wie viele Rezepte zum türkischen Reis im Internet oder in den verschiedenen Kochbüchern auch zu finden sind, damit es wirklich so gelingt und schmeckt wie er soll, muss man die Zubereitung gesehen haben. Der türkische Reis muss schön locker und luftig sein, körnig vom Löffel fallen, aber auch wunderbar duften.

In der Türkei gibt es wie in jedem Asienshop viele verschiedene Reissorten für alle möglichen Speisen. Dank der Kulturvielfalt in Deutschland bekommen wir verschiedene Reissorten auch in einem normalen deutschen Supermarkt.

Vorher noch ein paar Worte zu „parboiled“ Reissorten. Wie der Name schon erahnen lässt, werden diese Reissorten vor dem Trockenprozess teilweise vorgegart. Deshalb braucht man zum Garen von „parboiled“ Reis etwas weniger Wasser; der „parboiled“ Reis wird schnell gar und weich.

Als ich kürzlich wieder die Frage nach dem perfekten türkischen Reis gestellt bekam, habe ich meiner Freundin den Kochlöffel übergeben und sie den Reis kochen lassen.

Damit das Erlernte nicht in die Vergessenheit gerät, habe ich die Schritte noch einmal genauestens (so gut es geht) in Bildern dokumentiert und möchte diese mit Euch teilen.

Bei uns Zuhause bevorzuge ich für „Pilav“ einen feinen Basmatireis. Für meinen türkischen Reis brauche ich noch Nudeln in Form von Reiskörnern. Die Nudeln sorgen für das duftende Röstaroma im Reis. Die Nudeln in Form von Reiskörnern gibt es in der normalen Nudelabteilung bei den italienischen Nudeln, sie werden „Risoni, Risi“ genannt oder unter den Namen „Orzo oder Manestra“ angeboten. Sie finden diese Nudeln auch bei den griechischen Spezialitäten unter dem Namen „Kritharáki“ oder beim türkischen Feinkosthändler unter „Şehriye“. Jetzt fehlen nur noch Butter, Wasser und Salz, dann können wir loslegen.

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Zuerst messen wir die Zutaten ab. Wichtig ist hier in erster Linie das Verhältnis Reis zu Wasser von 1:2; wir brauchen immer doppelt soviel Wasser wie Reis. Das Verhältnis von Nudeln in Form von Reiskörnern zu Wasser ist 1:1. Zum Rösten nehme ich am liebsten Butter. Also 2 EL Butter (40-50g), 2 EL Nudeln (50-60g), 250g Reis und 500-560ml Wasser, 1 gestrichenen TL Salz (Bitte Salz nach Geschmack hinzufügen.).

Wenn ich zu Hause koche, wiege ich nicht jede Zutat auf Gramm genau ab. Deshalb sage ich meinen Freunden, dass sie eine Kaffeetasse oder Messtassen nehmen und damit Reis, Nudeln und Wasser abmessen sollen. Diese Vorgehensweise hat sich bei mir bewährt. Also ich nehme 2 Kaffeetassen Reis, eine halbe Kaffeetasse Nudeln, 2 EL Butter und maximal 4 1/2 Kaffeetassen Wasser und etwas Salz.

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Zuerst die Butter in einem großen Topf zum Schmelzen bringen.

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Die Nudeln dazu geben und gut rösten.

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Es schäumt erst recht gut. Bitte am Herd bleiben und die Nudeln immer wieder umrühren, sie werden plötzlich sehr schnell braun.

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Die Nudeln schön bräunen. Ein himmlischer Duft wird die Küche einhüllen.

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Nun den gewaschenen Reis dazu geben und gut umrühren. Der Reis wird etwas glasig werden. Schön 1-2 Minuten den Reis mit den Nudeln unter Rühren rösten.

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Sieht das nicht schon toll aus :)

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Mit der abgemessenen Menge Wasser aufgießen und zum Kochen bringen. Es ist eigentlich egal ob warmes oder kaltes Wasser. Eiligen Köchen empfehle ich warmes Wasser. Mit Salz würzen und den Reis bei geringer Hitze leicht köcheln lassen. Nicht mehr umrühren.

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In der Zwischenzeit drei Lagen Papier-Küchentücher bereit stellen.

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Wenn der Reis das Wasser aufgesogen hat, also die Flüssigkeit weg ist (das dauert je nach Herd 10-15 Minuten), die drei Lagen Papier-Küchentücher auf den Topf zwischen Topf und Deckel platzieren und mit dem Deckel fest zuschließen.

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So sieht das dann aus.

Nun den Herd ausschalten und den Topf auf der noch warmen Herdplatte stehen lassen. Sie sollten den Reis mindestens 10 Minuten so ausdampfen lassen. Besser wären 30 bis 60 Minuten. Je länger Sie den Reis stehen lassen können, um so besser. Der Reis kann bis zu zwei Stunden auf der warmen Kochplatte stehen ohne auszukühlen.

Wenn Sie einen Gasherd haben, dann stellen Sie einen feuerfesten flachen Metallgitter zwischen Topf und Flamme und lassen die Hitze auf kleinster Stufe und lassen den Reis mindestens 30 Minuten so ausdampfen. Dann Herd ausschalten und Reis noch bis zum Servieren so verschlossen ruhen lassen.

Das Ergebnis ist ein herrlich duftender Reis. Sie können den Reis gut vorbereiten und ihre Gäste damit überraschen.

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Dazu brauche ich nur noch etwas Joghurt und schon bin ich im siebten Himmel. Köstlich! Guten Appetit! Afiyet olsun!

Zutaten
  • 2 EL Butter
  • 2 EL Nudeln in Form von Reis oder Fadennudeln
  • 250 g Basmatireis oder Langkornreis, gut gewaschen
  • 500-550 ml Wasser
  • Salz
Zubereitung
  1. In einem großen Topf Butter erhitzen und Nudeln gut braun rösten. Den Reis dazu geben und glasig dünsten. Mit 500-550 ml Wasser aufgießen und zum Kochen bringen. Salzen und bei geringer Hitze etwa 10-15 Minuten köcheln lassen bis die Flüssigkeit aufgesogen ist.
  2. Zwischen Topf und Deckel drei Lagen Papier-Küchentücher klemmen und Topfdeckel gut eindrücken. Herd ausschalten und Reis auf der warmen Herdplatte stehen lassen und mindestens 1o Minuten bis zu zwei Stunden ruhen lassen.
  3. Reis vor dem Servieren auflockern und warm servieren.

2 Comments

  • Gefällt mir ausgesprochen gut, deine ausführliche Anleitung! Nudeln hatte ich noch nie mit dabei – ich werde das so schnell wie möglich ausprobieren, da kann ja nichts schief gehen :-)

    • Ein kleiner Unterschied und er macht so viel aus. Deshalb unbedingt ausprobieren :) der Reis duftet so köstlich.
      Wünsche dir gutes Gelingen und einen guten Appetit!

      Liebe Grüße, Semiha

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