Noch nie war Kräuterkunde so spannend, so leidenschaftlich, so inspirierend und so voller Genuss. Ein Muss für alle Kräuter und Gewürzeliebhaber. Sehr schöne und leckere Kreationen. Es gefällt mir, mit welcher Leichtigkeit die Autorin die Kräuter kombiniert und überraschende Köstlichkeiten zaubert. Einfach Großartig!

Tanja Grandits ist Chefin der legendären mit zwei Michelin-Sternen bewerteten Restaurants „Stucki“ in Basel. Von GaultMillau wurde sie mit 18 Punkten und als „Koch des Jahres 2014 ausgezeichnet. Sie ist bekannt für ihren Virtuosen Umgang mit Aromen, Gewürzen und Texturen. Daneben schreibt sie als Kolumnistin in verschiedenen Printmedien und ist Autorin mehrerer erfolgreicher Bücher im AT-Verlag.

Das Buch von Tanja Grandits ist festgebunden und sehr schön gestaltet. Die Kräuter sind in schönen klaren Fotos sehr anschaulich dargestellt. Die Fotos sind einladend und machen Freude. Die Kapiteleinführungen sind doppelseitig in Grüntönen gehalten und mit weißen Illustrationen von Kräutern versehen. Die Gesamtgestaltung macht Freude: klassisch, schlicht und schön.

Dieses Buch besteht aus zwei Teilen: zum einen die Kräuterkunde, die in Unterkapitel eingeteilt ist, daneben der Teil mit den Rezepten. Alle Kapitel leitet die Autorin mit kleinen Texten ein.

Im Vorwort schreibt Tanja Grandits, dass sie am liebsten einen riesengroßen Kräutergarten mit vielen Beeten, Feldern und Gewächshäusern hätte, um großzügig all ihre geliebten Kräuter anzubauen. Kräuter wachsen zu sehen, bereite ihr einfach pure Freude. Sie schreibt: Die Farbe Grün ist die Farbe der Mitte. Sie ist die Farbe des Frühlings, der Zufriedenheit und der Lebendigkeit. Es mache ihr große Freude, im kräuterbegrünten Alltag aus der Fülle der Natur Geschmack, Vitalität und Lebensfreude zu tanken.

Nach einer kurzen Einführung zum Thema Küchenutensilien sowie Kräuter ernten, waschen, aufbewahren, verarbeiten und konservieren, widmet sie sich ihren geliebten Kräutern. Sie hat für dieses Buch die Kräuter nach ihrem Geschmack unterteilt: in milde, süße, zitrusartige saure, anisartige, bittere herbe, würzige und Kräuterblüten.

Sie schreibt über die Kräuter, wie über alte Bekannte oder Erlebnisse. Sie liebt ihre Pflanzen und erzählt uns, wie sie dazu kam, sie zu testen, wie sie sie verwendet und womit sie gut zu kombinieren sind und warum sie gerade diese Variante besonders liebt. Sie erzählt von den Pflanzen und schwärmt von den Gerichten, die sie am liebsten mit diesen speziellen Kräutern zubereitet.

Wenn Sie über Anbau, Zucht und Klimavoraussetzungen lesen wollen, dann ist das nicht das richtige Kräuterbuch. Hier geht es um die Verwendung der Kräuter in der Küche, um ihren Zauber. Niemand kann das so schön in Worte fassen wie Tanja Grandits. Sie liebt ihre Kräuter und inspiriert vom Duft und Aussehen schafft sie unglaubliche Genüsse. Nie war Kräuterkunde so spannend, so leidenschaftlich, so inspirierend und genüsslich unterhaltsam.

Wussten Sie, dass die Gartenmelde „Bonne Femme“ in Frankreich genannt wird. Tanja Grandits schreibt dazu: „Ich bin froh, hab ich doch mit der Gartenmelde die „gute Frau“, die gute Seele, in meinem Gartenbeet“.

Für mich gehörte Lorbeer immer zu Fleischgerichten oder wenn ich Schmorgerichte mit Sauce gekocht habe. Bei Tanja Grandits habe ich erfahren, dass frischer Lorbeer ganz toll mit Beerenkompott oder Salat mit Zitrusfrüchten schmeckt. Das werde ich ausprobieren.

Die 140 Rezepte sind aufgeteilt nach: Aperitif, Salat, Suppe, Fisch, Fleisch, Vegetarisch, Desserts, Gebäck, Getränke und Basics. Das Stichwortverzeichnis ist ebenfalls nach diesen Kapiteln sortiert. Die Rezepte sind klassisch aufgebaut, eine Spalte mit den Zutaten und daneben eine Spalte mit den Zubereitungsschritten. Die Beschreibungen sind klar, gut verständlich und einfach nachzuvollziehen.

Die Rezepte sind inspirierend. Man möchte sich gleich einen Kräutergarten anlegen und gleich loslegen. Ich werde wohl einige Zeit brauchen, bis ich zur richtigen Kräuterzeit die Rezepte nach kochen oder backen kann. Allein bei den Aperitifs bin ich schon hängen geblieben. Kichererbsen mit Minze, Macadamianüsse mit Estragon, Haselnuss-Fenchel-Crunch mit Rosmarin, Liebstöckel-Quinoa-Cracker, Pesto-Piztazien-Cantucci, und und und. So ging es in jedem Kapitel weiter: Kräuter-Pinienkern-Salat mit Löwenzahn und Zimtöl, Wurzelgemüse-Salat mit Melisse und Kardamom, Gurken-Sesam-Salat mit Kapuzinerkresse und Fenchelblüten, Sellerie-Suppe mit Salbei und Roquefort, Tomaten-Amarant-Suppe mit Schafskäse und Bronzefenchel, Kürbis-Kokossuppe mit Crevettenknödel und Fenchelblüten, Brunnenkresse-Piment-Suppe mit Pistazien Gremolata, Zander-Verveine-Gebeizt mit Zucchini und Grüntee-Joghurt, Forellen-Kardamom-Ceviche mit Fenchel und Zitrone, Zander mit Rosmarinhonig und Rösttobinambur, Lammrücken mit Estragon-Honig Erbsen und Bergkäse-Flan, Berglamm-Karree in Thymian, Kalbsrücken mit Pistazien-Polenta und Estragonöl, Maispoularden-Limetten-Curry mit Sellerie und Thaibasilikum-Öl, Zucchini-Mitsuba-Frittata mit Korianderblüten, Rucola-Mokka-Risotto mit Bergkäse-Crunch, Erbsen-Gerste mit Minze und Miso-Hollandaise, Spinat-Tagliatelle mit Dill und Limette, Rosmarin-Lavendelbrot,Schokoladen-Ingwer-Cake mit Zitronengras, Bananen-Kerbel-Smoothie, Pfefferminz-Buttermilch-Lassi und viele weitere Getränke und viele Basics insgesamt 140 Rezepte zum nachmachen. Viel zu tun, fangen wir mit der Kräuterzucht an. Ein schönes Buch zum Stöbern und neu Entdecken. Lassen Sie sich inspirieren.

Natürlich habe ich auch ein paar Rezepte ausprobiert:

Zu meinen Lieblingsgewürzen gehört auch der Rosmarin. Mit Tanja Grandits Anleitung habe ich ein Snack „Haselnuss-Rosmarin-Fenchel-Knusper“ mit viel Rosmarin gebacken. Herrlich! Es ist unglaublich aber man schmeckt den einen Teelöffel Fenchel stärker heraus als die drei Esslöffel Rosmarin.

haselnuss-kraeuter-snack-1

Haselnuss-Rosmarin-Fenchel-Knusper
Als Vorspeise gab es frische Ruccolapesto mit Kartoffelecken. Einfach lecker.

kartoffeln-ruccolapesto

Zum Hauptgang habe ich Kalbshaxe mit Lorbeer und Salbei und Casis-Zwiebeln gemacht. Die Casis-Zwiebeln passen herrlich zu diesem Schmorgericht (wird für andere Speisen vorgemerkt). Das Fleisch zergeht richtig auf der Zunge.

kalbshaxe-salbei

Diese knusprigen Knäckestangen haben mich einfach angelacht. Die Fülle mit viel frischem Dill und Körnern ist einfach herrlich. Erstaunlicherweise schmeckt man hier den Fenchel auch deutlicher heraus. Der Dill streichelt mit einem zarten Hauch den Gaumen. Wir stellten uns an den Backblech und futterten munter los. Ich musste die paar fürs Foto klauen und schnell verewigen :).
sesam-dill-knaecke

Ein Kräuteröl mußte ich auch ausprobieren und habe ein Petersilienöl hergestellt. Jetzt weiß ich endlich, wofür ich die Kaffefilter aufbrauchen kann :) Man braucht etwas Geduld, aber Tropfen für Tropfen füllt sich das Glas. Die grünen Petersilienöltupfer sehen auf dem Teller toll aus.

petersilien-oel