Ein wunderschönes Lesevergnügen. Die Autoren nehmen uns mit ihren Erzählungen und wunderschönen Fotos mit auf die Reise in das unbekannte Marokko und wir dürfen mit Ihnen entdecken, erleben, erfahren und genießen. Ein unbedingtes Muss für Jeden, der sich für Marokko und ihre kulinarisch sehr vielfältige Erlebnisküche interessiert.

Das Buch hat einen wunderschönen festen Einband mit Mosaik-Mustern. Der Titel ist auf einem weißen Streifen längs mittig angebracht, dass wie ein Tischläufer über einen Mosaik-Kachel-Tisch aussieht. Sobald man das Buch aufschlägt, wird man von den ganzseitigen Fotos in das Land „hineingebeamt“ und befindet sich gleich in einer zauberhaften Welt der Sehnsüchte.

Die Fotografien von Rob Palmer sind sehr stimmungsvoll und authentisch. Die natürlichen Licht- und Farbspiele in Marokko hat Rob Palmer wunderschön mit seiner Kamera eingefangen. Auf Doppelseiten präsentiert er viele Einblicke in die verschiedenen Küchen von Straßenverkäufern, Privatpersonen und Restaurantchefs. Er hat für uns die Zubereitungsschritte ebenso festgehalten wie die Frische der einheimischen Zutaten. Die Fotos machen Lust, die Koffer zu packen und in den nächsten Flieger Richtung Marokko zu steigen.

Die beiden Autoren haben sich bei einem Food-Foto-Event in Australien kennengelernt. Sie feierten eine traumhafte Hochzeit in Marokko mit ihren Familien. An diesem besagten Tag entwickelten sie auch die Idee zu diesem Buch.

„Zu Gast in Marokko“ ist ihre kulinarische Reise durch Marokko. Sophia Palmer schreibt, dass es nicht nur um die traditionelle und gleichzeitig moderne marokkanische Küche geht, sondern um die Reise selbst, um die Menschen, die sie getroffen haben. Es ist ein Buch über Erfahrungen, Erlebnisse und Begegnungen während ihrer Reise.

Die Reise der Autoren beginnt im berauschenden Chaos von Marrakesch und geht erst an der Küste entlang nach Norden bis nach Casablanca. Von dort aus fahren sie über Meknès und Fès quer bis fast an die algerische Grenze nach Oujda, wo die Mutter von Sophia herkommt und besuchen dort die Großmutter und Großfamilie von Sophia. Danach geht ihre Reise über dem Atlasgebirge wieder zurück nach Marrakesch.

Es ist ein schönes Lesebuch mit persönlichen Eindrücken, Erlebnissen, Erfahrungen und Geschichten, die die Autoren auf cremefarbenes Papier festhalten. Diese Geschichten sind wie kleine Anekdotenheftchen kleinformatig gehalten und ins Buch miteingebunden. Das gibt diesem Reisekochbuch eine zusätzliche persönliche Note. So dürfen wir mit Rob neu entdecken und mit Sophia Sehnsüchte stillen. Wunderschön!

Der einleitende Text von Eben Pierce Lenderking (Sanssouci Collection Cooking School Marrakesch) ist sehr lesenswert. Wir erfahren die historischen Einflüsse auf die kulinarische Entwicklung der Küche Marokkos durch zum Beispiel die Ägypter, die schon 100 v. Chr. das Sauerteigbrot nach Marokko brachten. Die allgemein bekannten mit Marokko unzertrennlich verbundenen Salzzitronen sind durch die Phönizier in die marokkanischen Küchen gekommen, die ihr Wissen über das Haltbarmachen mit Salz teilten. Die Tomate kam erst im 16. Jahrhundert mit den Spaniern und Portugiesen nach Marokko, der Tee erst im 18. Jahrhundert mit den Engländern und die Cafékultur erst im 20. Jahrhundert mit den Franzosen nach Marokko.

Die Kapitel richten sich nach den Stationen der Reise und werden mit einer Rezepteliste versehen. Darauf folgen kleine Artikel über Begegnungen und Erfahrungen der Autoren. Schließlich werden die Rezepte mit Fotos vorgestellt. Die Zutaten werden als erstes aufgelistet, darunter kommen die Zubereitungsschritte. Meistens finden wir neben den Zubereitungsschritten oder davor Erläuterungen, Ergänzungen, Erfahrungen, Ausführungen oder einfach Geschichten zu den Speisen.

Die Kapitel sind zusätzlich mit Geschichten wie zum Beispiel dem „Junggesellentopf“, der im Hamam gegart wird, gespickt. Wir erfahren auch die Geschichte hinter dem „See der Tränen“ und viele mehr. Die Geschichten sind sehr unterhaltsam und herrlich zu lesen. Man fühlt sich mittendrin im Geschehen, nur die Speisen muss jeder doch selbst dazu kochen.

Die Erfahrungen der beiden Autoren Rezepte von den Einheimischen zu bekommen, erinnern mich an meine Erlebnisse. So ist es ganz normal, dass das vereinbarte Rezept vom Vormittag bis zum Mittag nicht mehr ganz übereinstimmt. Sophias Mutter sagt dazu wiederholt: „Deine Augen sind dein Messbecher, deine Hände sind deine Würze und dein Herz ist deine Entschlossenheit.“

Im Verlauf ihrer Reise kommt Sophia zu dem Schluss: „vielleicht gibt es in Marokko deshalb so viele langsam gegarte Gerichte. Die Leute mögen keine Gerichte deren Zubereitung hektisch ist und präzises Timing erfordert, sie möchten vor, während und nach dem Essen in Ruhe Zeit miteinander verbringen können.“

Die Autoren erzählen von den Zusammenkünften, wie alle zusammen sitzen, den Couscous lockern, die Speisen mit Ruhe und Gelassenheit in Heiterkeit gemeinsam zubereiten, den Tisch zusammenstellen und lange zusammen sitzen und nur das Zusammensein genießen.

Es steht fest: „Jeder Marokkaner wird bestätigen, dass Essen, Familie und Freunde die Grundlage für ein erfülltes Leben sind.“

Das Buch ist voll mit wunderschön in Szene gesetzten Speisen, Salate, Suppen, Hauptspeisen mit Fleisch, Geflügel, Fisch aber auch vegetarisch und vielen süßen Verführungen. Wir können miterleben, dass die Küche Marokkos nicht nur aus Tajine oder Couscous besteht. Wie wäre es mit Hühnchen mit Oliven, einem Bauernfrühstück mit eingekochtem Fleisch und Eiern, gegrillten Garnelen, Sardinen mit Tomaten, Fleischbällchen in würziger Sauce, Meeresfrüchte Pastilla, Fenchel-Blutorangen-Salat, Linseneintopf mit Merquez, Kürbis-Kichererbsen-Suppe, Rindfleischeintopf mit Aubergine, Paprika und Ei, marokkanischen Pfannkuchen, Lamm-Pflaumen-Pastete, Kaiserbarsch mit Datteln, Hähnchenkeulen mit Feigen und Mandelsauce, Gazellenhörnchen, Pistazien-Rosen-Plätzchen und vieles vieles mehr.

Nach der Danksagung finden wir auch die Unterkünfte während ihrer Reise mit Kontaktdaten aufgelistet. Ein Glossar über die wichtigsten Zutaten und Begriffe sind sehr hilfreich. Das alphabetische Rezeptregister erleichtert das schnelle Auffinden der Rezepte.

Ein wunderschönes Lesebuch über eine ungewöhnliche kulinarische Erlebnis-Entdeckungsreise. Die Autoren schlagen eine Kulturbrücke zwischen Australien und Marokko. Für die Eine ist es eine Reise zu den Wurzeln ihrer Herkunft und für den anderen eine Entdeckung einer völlig neuen und unbekannten Welt. Die beiden Autoren schaffen durch ihre unabhängigen Erfahrungsberichte uns diese Welt aus verschiedenen Perspektiven zu zeigen. Das macht das besondere der kulinarischen Erlebnisse aus. Wie Rob einmal sagt: Entweder würde ich mit vollem Bauch zufrieden schlafen oder Stunden darüber grübeln, was ich gerade gegessen habe.

Natürlich habe ich auch einige Rezepte nachgekocht und genossen. Viele Rezepte werden noch folgen. Hier nur ein paar Beispiele.

Solange ich noch Fenchel und Blutorangen bekommen konnte, habe ich diesen Salat mehrmals genossen. Einfach eine köstliche Kombination.

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Köstlich vereinigt sich das Honig-Senf-Dressing mit den Roten-Beten; der salzige Fetakäse und die Walnüsse runden den Geschmack ab.

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Ich hatte zwar die Salzzitronen eingelegt, aber ich wollte vorher etwas ohne Harissa und Salzzitronen und nicht in der Tajine kochen. So habe ich mir dieses Rezept rausgesucht. Zum Hühnchen gab es Kreuzkümmel-Kartoffeln. Eine ungewöhnliche Kombination, aber einfach lecker. Unbedingt mit allen Beilagen und Saucen genießen, die Komposition ist ein Gedicht.

haehnchen-mit-oliven

Natürlich habe ich die Zitronen auch eingelegt, damit ich noch ein paar andere Rezepte ausprobieren kann. Ich freue mich darauf.

salzzitronen