Der Sufimeister Celaleddin Rumi hat in der mittelanatolische Stadt Konya seine Spuren hinterlassen. Die Einheimischen nennen ihn Mevlana, was soviel bedeutet wie „unser Geistlicher“. Das Museum ist zentral gelegen und bildet zugleich das Wahrzeichen der Stadt. Die Tanzenden Derwische sind in der ganzen Welt bekannt.

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Das frühere Kloster des Sufimeisters Cemaleddin Rumi vom Mevlevi-Orden liegt gleich neben einer großen Moschee in Konya. Im Innenhof duftet ein wunderschöner Rosengarten zu gegebener Zeit, ansonsten befinden sich mehrere Brunnen und schaffen eine schöne Atmosphäre. Das Museum liegt an einem großen Platz, der von vier belebten Straßen umzingelt ist, aber der Lärm scheint an den Mauern entlangzugleiten, ohne sich hinein zu wagen.

Am Eingang und an den Gräbern stehen Verse von Mevlana. Mein Lieblingsvers von Rumi ist auch darunter: „Egal wer du bist, woher du kommst, unsere Türen sind für dich geöffnet“.

Die Gräber sind bedeckt mit schönen bestickten oder gewebten Stoffen. Im gedämpften Licht glänzen die Gold- und Silberstickereien. Die mittlere, größte Kuppel ist mit unzähligen kleinen ausgehauenen Quadern verziert. In den vielen kleinen Gebäuden innerhalb der Museumsmauern kann man antike Buchseiten, Musikinstrumente und Gebrauchsgegenstände bewundern.

Um diese kleine „Museumsinsel“ liegen die beliebtesten Lokale mit den beliebtesten Speisen dieser Region. Ein Muss für jeden Konya-Besucher sind die „Etli Ekmek (lange dünne Pide mit Fleischfüllung, eine große Ausgabe von Lahmacun) und Tandır/Fırın Kebab (Lammfleisch aus dem Steinbackofen)“. Letzteres ist unser Ziel nach einem Besuch bei Mevlana. Das Beste, Beliebteste und Bekannteste Lokal für „Tandır Kebab“ befindet sich etwas versteckt in einer Seitengasse. Aber falls man dort kein Glück hat, es gibt noch eine Zweigstelle im Stadteil Meram.

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Der leidenschaftliche Koch Hacı Şükrü gründete das Lokal in der Altstadt 1907. Der Familienbetrieb wird mittlerweile von seinen Enkeln und Urenkeln erfolgreich in alter Tradition weitergeführt. Das Restaurant ist ein typisches einheimisches Familienlokal mit praktischen Tischen und bequemen Stühlen. Überall hängen die vielen Auszeichnungen und Bilder mit berühmten Besuchern.

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Das Fleisch zergeht richtig auf der Zunge und wird nur auf dünnem Pide serviert. Die Gäste entscheiden wieviel Fleisch sie auf ihrem Pide wollen, danach richten sich auch die Preise. Dazu werden je nach Jahreszeit Salate und eingelegtes Gemüse gereicht und natürlich Zwiebeln. Letzteres ist ein Muss als Beilage bei Fleischgerichten in Konya.

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Wir waren im Januar dort und haben einen Wintersalat, rohe Zwiebeln, rote Chilidip und eingelegte Chilis als Beilage bekommen.

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Natürlich habe ich versucht, das Geheimnis zu erfahren. Der Geschäftsführer war sehr freundlich und nahm Platz und erklärte mir, wie sie vorgehen. Ganz wichtig sei natürlich das Fleisch. Sie verwenden nur „Merinos Schafe“ aus einer Züchtung aus der Region. Andere Tiere kommen nicht in ihre Töpfe. Sie verwenden auch am Liebsten nur die Lammschulter und Filetstücke von männlichen Tieren!!! Das sei das A und O! Das Fleisch werde nur einfach mariniert und gewürzt und langsam in Kupferschalen im Steinofen gegart, dass mit Eichenholz geheizt werde. Je nach Alter des Tieres brauche das Lammfleisch etwa 3-3,5 Stunden, männliche Schafe etwa 4-5 Stunden und weibliche Schafe 6-7 Stunden. Das Fleisch gare nur im eigenen Saft und Fett. Das Fleisch werde während des Garprozesses immer wieder mit dem eigenen Fett übergossen und gewendet. Zum Servieren wird das Fleisch zerflückt und aufs Brot gelegt und leicht mit eigenem Fett bzw. mit der Bratensauce aus dem Topf begossen, damit das Fleisch nicht austrocknet. Aus 3 kg rohem Fleisch bliebe zum Schluss nur 1 kg Braten zum Servieren. Die Köche fangen dafür schon sehr früh am Morgen an, damit bis zum zeitigen Mittag um 11 Uhr die ersten Portionen fertig seien.

In der Einfachheit liegt das Geheimnis! Guten Appetit! Afiyet olsun!

Adresse: HACI ŞÜKRÜ FIRIN KEBAP SALONU, Devricedid mahallesi Cemsultan caddesi No:327/A (Maliye Sarayı civarı, Adalhan Karşısı) Selçuklu / KONYA, Telefon: +90-332 352 76 23 oder im Stadtteil Meram: Yorgancı Mah, Dutlu Cad. 42090 Meram-Konya, Telefon +90 332 325 2829

Für das Rezept:

Da ich hier nicht dieses besondere Fleisch bekomme, mariniere ich das Lammfleisch intensiver und gare den Braten im Römertopf in einem ganz normalen Backofen langsam über mehrere Stunden.

Zutaten für 4–6 Personen
Für die Marinade
  • 2 Zwiebeln, fein gerieben
  • 2–3 Knoblauchzehen, gewürfelt und zerstoßen
  • 1 TL geriebene frische Ingwerwurzel
  • 2 EL Zitronensaft
  • 150 g fester Naturjoghurt (3,5% Fettgehalt) (optional)
  • je 1/2 TL gemahlener Kreuzkümmel und Koriander
  • 1 TL edelsüßes Paprikapulver
Für das Fleisch
  • 1 Lammkeule oder Lammschulter mit Knochen
  • 2 Zwiebeln, geviertelt
  • 1 Stange Lauch, in Ringe geschnitten
  • 2 Karotten, in Scheiben geschnitten
  • 1/4 Sellerieknolle, geschält und gewürfelt
  • 1 kleine Petersilienwurzel, geschält und gewürfelt
  • 1 Lorbeerblatt
  • 4 Nelken
  • 1/2 Zimtstange
  • 4 Zweige Thymian
  • 2 Zweige Rosmarin
  • 1 großer Römertopf
Zubereitung
  1. Für die Marinade die feingeriebenen Zwiebeln durch ein Musselintuch pressen und den Saft in einer großen Schale auffangen. Zwiebelpüree nicht weiterverwenden. Die restlichen Zutaten für die Marinade in die Schale geben und gut vermischen.
  2. In eine große Schüssel mit Deckel die Lammkeule setzen und mit der Marinade begießen. Die Lammkeule sollte rundum mit der Marinade bestrichen sein. Deckel aufsetzen und Lammkeule im Kühlschrank mindestens 2 Stunden (am Besten über Nacht) marinieren lassen.
  3. Römertopf 30 Minuten wässern.
  4. Lammkeule aus der Marinade nehmen und in den gewässerten Römertopf setzen. Das Gemüse rund um die Lammkeule verteilen. Gewürze und Kräuter hinzufügen. Salzen und Pfeffern.
  5. Römertopf mit Deckel verschließen und in den kalten Backofen auf die untere Schiene
    schieben. Bei 160°C etwa 4-6 Stunden garen. Nach 2-3 Stunden eine Garprobe
    machen, um die Hitze und den Garprozeß zu kontrollieren.
  6. Lammkeule aus den Römertopf heben und im ausgeschaltetem Backofen eingewickelt in Alufolie warm stellen.
  7. Für die Sauce den Bratensaft mit dem Gemüse abseihen und Bratensaft auffangen. In einem kleinen Topf Bratensaft bei starker Hitze auf die Hälfte einkochen. Bei Bedarf noch salzen und pfeffern. Falls erwünscht mit etwas Speisestärke binden.
  8. Lammkeule mit der Bratensauce, Brot, Salat und eingelegtem Gemüse servieren. Dazu passt auch kurzgebratenes Gemüse mit Tomaten und türkischer Reis. Guten Appetit! Afiyet olsun!

4 Comments

  • Ahhh.. Semiha! Deine Beschreibung von dem Gericht…. Ich will sofort nach Konya und eine riesige Portion Tandır Kebab verspeisen! 😀

    • :) afiyet olsun! Konya und Umgebung sind mein Spezialgebiet, da fallen mir bestimmt noch viele Köstlichkeiten und Lokalitäten ein 😉

      Liebe Grüße, Semiha

  • Das ist eine Überraschung, danke für das Rezept. Ich liebe diese Pulled Rezepte. Mit Lamm hatte ich aber noch keines, obwohl Lamm mein Lieblingsfleisch ist.
    Ich habe mir das Rezept mal gleich abgespeichert.
    LG Monika.

    • Liebe Monika,

      gern geschehen :) wir lieben Lammgerichte und dieses ist eines der Leibgerichte meiner Familie, darf auf keinem Familienfest fehlen :) Afiyet olsun!

      Liebe Grüße, Semiha

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