Kaum bin ich gelandet, lächle ich über das ganze Gesicht in aufgeregter Spannung auf meine Familie und Freunde, die gekommen sind, um mich abzuholen. Ich kann es kaum erwarten, sie in die Arme zu schließen und ganz fest zu drücken. Da stehen sie, meine deutsche und türkische Familie. Egal von wo wir kommen und egal, ob wir zu Besuch in Deutschland Richtung Norden fahren oder in die Türkei fliegen, sie holen uns ab. Und jedes Mal vergehen die Tage und Wochen wie ein Wimpernschlag. Ganz gleich ob wir nur übers Wochenende da sind oder gar den Sommer mit ihnen verweilen, immer ist es zu kurz. Die Freunde und Bekannte kommen ebenfalls vorbei und gehen mit den Worten „bevor du gehst, kommt du wenigstens auf ein Tee vorbei, ja?“

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Tee ist unser Nationalgetränk! Jeder, der etwas Anderes behauptet, war noch nicht richtig bei Türken. Bei uns schläft die Kanne nie. Für eine Tasse Tee muss man sich einfach Zeit nehmen. Das Einkaufen in der Türkei ist ein Genuss, sobald man in einen Laden hineinspaziert, wird einem ein Sitzplatz und ein Glas Tee angeboten.

Vielleicht liegt das auch daran, dass wir für unsere türkische Teezeremonie etwas Zeit nehmen müssen, damit nehmen wir uns auch mehr Zeit für unser Besuch. Schließlich muss der Samovar aufgebaut werden, das Wasser muss gut „ausgekocht“ werden und der Tee braucht Zuspuch und Zeit, um sich besser zu entfalten. Das geht nicht so einfach und schnell schnell. Der Tee muss gut und ruhig ziehen, damit er klar und rot-gold im Glas schimmert.

Ich liebe Tee und es ist für mich immer schwierig, die kleinen Teeeinladungen von Freunden und Bekannten zu übergehen. Es kann sogar vorkommen, dass ich kurz vor der Abfahrt zum Flughafen noch zu einem Tee bei einer Freundin kurz hereinstolpere.

Bei unserem letzten Türkeibesuch haben wir eine sehr nette Familie kennengelernt und die Dame des Hauses hat uns so oft zum Tee eingeladen, dass wir am Tag vor unserer Abreise noch kurz bei Ihr geklopft haben. Sie war so glücklich und strahlte über das ganze Gesicht, wir hatten uns Zeit für sie genommen. Sie rief sofort ihren Ehemann und Sohn an, die prompt das Geschäft früher schlossen, um auch zum Tee zu kommen. Sie lief in die Küche, um den Tee aufzusetzen. Wir beschlossen kurzerhand auch in die Küche zu gehen, um ihr zu helfen und zumindest bei ihr zu sein, so lange sie den Tee zubereitete. Mit dem Schritt in die Küche hatten wir natürlich alle existierenen Formalitäten über Board geschmissen :)

Eigentlich wollte sie ja, den Tisch im Salon so toll decken und für uns Backen und Kochen, aber dafür war ja nun keine Zeit. Also setzten wir uns alle gemeinsam an den Küchentisch. Ihr Ehemann und Sohn kamen auch in die Küche. Und sie wirbelte. Denn „Çay vakti -Teatime“ auf türkisch heißt auch „Alles auf den Tisch stellen, was die Schränke so hergeben“ und seht selbst, wie vielfältig dass bei einem kurzen spontanen Tee sein kann.

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Ich weiß nicht so recht, wie lange wir dort saßen. Wir plauderten locker und gemütlich und lernten mit jeder Tasse uns näher kennen und lieben. In der Türkei sagen wir: mit der ersten Tasse, lernen wir uns kennen, mit der zweiten werden wir Freunde und ab der dritten Tasse gehörst du zur Familie. Unsere Familie wächst. Das nächste Mal muss ich noch an eine weitere Tür klopfen. Schließlich heißt ein anderer Spruch, die die Türkei prägt: „Bir fincan kahvenin kırk yıl hatırı vardır. – Das Andenken einer Tasse Mokka währt 40 Jahre.“. Das gilt natürlich auch für „Çay – Tee“ :) in diesem Sinne, hoch die Tassen und afiyet olsun!