Diese Teigtaschen heißen übersetzt „rohe Teigtaschen – Çiğ börek“. Nicht weil sie roh gegessen werden, sondern weil die Füllung nicht vorgegart wird. Die Füllung wird beim Ausbacken der Teigtaschen im heißen Fett durch den heißen Dampf, der sich beim Backen im innern der Teigtaschen bildet, gegart.

Um bei der Wahrheit zu bleiben, die Bezeichnung „Çiğ Börek“ ist in Anlehnung an die ursprüngliche Bezeichnung von den Krimtartaren „Tscheburek“ zurückzuführen, die auch für die ursprüngliche Kreation — Teigtaschen mit rohem Hackfleisch gefüllt und frittiert — verantwortlich sind. In Anatolien haben sich in der Geschichte viele Krimtartaren niedergelassen, so dass diese Teigtaschen seit Jahrhunderten zum alltäglichen Leben dort gehören.

Ich stelle mir gerne vor, wie vor Jahrhunderten Reisende durch Anatolien diese einfachen aber köstlichen Teigtaschen serviert bekommen haben. Wie sie die Rezepte in die Welt weitergetragen und überall erzählt haben, dass sie einmal mitten in der Türkei diese leckeren Teigtaschen genossen haben. Ich stelle mir vor, wie die Rezepte von Hand zu Hand wandern und schließlich ihren Weg in die osmanischen Palastküchen finden. Ich liebe die Vorstellung, dass der Chefkoch diese Teigtaschen eines Abends dem Sultan mit einem schön gekühltem süßen Rosengetränk als Mitternachtsnack serviert. Der muss ganz schön geguckt haben, als ihm sein Chefkoch diese knusprig gebratenen Teigtaschen mit einem Getränk aufgetragen hat, nach dem Motto „Spinnt der Koch jetzt völlig, die Kammern sind voll mit leckeren Früchten, Nüssen und allerlei exotischen Köstlichkeiten und der bringt mir dieses gebratene Brot mit Scherbet!“. Dann kostet der Sultan diese knusprig gebratenen Teiglinge, es knistert bei jedem Biss, die knusprige Teigkruste vermengt sich himmlisch mit der Füllung und das gut gekühlte Rosengetränk rundet den Geschmack ab. Der Sultan schließt die Augen und genießt diese Wohlfühl-Speise. Damit wird eine neue Tradition für Mitternachtsnacks im Palast geboren :)

Historisch gesehen war die Kochkunst schon immer eine Männerdomäne — außer hinter dem heimischen Herd, die hauptsächlich für die Frauen vorgesehen war. Vielleicht haben Sie von den vielen Spezialitäten-Küchen im Zeitalter der osmanischen Sultane gehört oder davon gelesen oder gar den Palast in Istanbul besichtigt?! Die Männer dominierten die bezahlten Kochberufe und sie spezialisierten sich auf bestimmte Speisen und bereiteten diese eine Speise Tag ein und Tag aus jahrzehntelang auf die gleiche Art zu. Und „Çiğ Börek“ waren für sie „Teigtaschen, die mit rohem gewürzten Hackfleisch gefüllt und anschließend in Fett ausgebacken werden“. Punkt, Schluss, Aus.

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Auch heute noch (egal wohin Sie in der Türkei reisen), überall werden diese Speisen in den Restaurants genau so wie vor Jahrhunderten zubereitet und serviert, keinerlei Änderungen weder für den Teig noch die Füllung. Aber wer konnte sich schon Hackfleisch für eine alltägliche Speise leisten?! So brachten die Frauen wieder alles durcheinander, knabberten an den altehrwürdigen Rezepten und wandelten ab. Sie füllten die Teigtaschen mit rohem Gemüse, verschiedenen Käsesorten oder mit ganz vielen Zwiebeln und Kräutern und backten sie in Fett aus. Lecker! Eine kleine Revolution in den Küchen, yeah! 😉 So ist heute der Begriff „Çiğ Börek“ eine sehr dehnbare Bezeichnung.

Beliebt ist auch die Variante ohne Füllung, dazu wird der Teig nur etwas auseinandergezogen, in Fett ausgebacken und mit Zucker bestreut serviert. Letzteres machte meine Mutter sehr oft an Donnerstagen und verteilte diese an alle Nachbarn. Warum an Donnerstagen, nun das ist eine andere Geschichte.

Für den Teig verwende ich etwas Hefe, damit der Teig etwas luftiger wird. Früher hat man diese Teigtaschen mit ungesiebtem Mehl gemacht und die Teigtaschen gleich verzehrt. Heute verwenden wir hauptsächlich weißes Mehl, dass nur mit Wasser gerührt nach dem Abkühlen einfach zäh wird. Mit etwas Hefe hält sich der Teig länger soft und man kann die Reste auch noch später warm oder kalt genießen. Eine weitere Änderung ist, dass ich diese Teigtaschen nicht frittiere, sondern in etwas Öl langsam golden backe. Ich liebe die Teigtaschen mit Käsefüllung und ein paar frischen Kräutern wie Petersilie, Dill oder Schnittlauch. Aber ich schreibe Euch auch die Hackfleischfüllung auf. Dann könnt Ihr beides ausprobieren und genießen. Wir trinken dazu meistens einen schönen starken Tee, aber die Teigtaschen schmecken auch köstlich mit einem gekühlten süßen Getränk. Guten Appetit! Afiyet olsun!

Zutaten
Für den Teig
  • 500 g Mehl Type 405
  • 150 g Naturjoghurt
  • 1/2 Päckchen Trockenhefe oder 1/2 Würfel frische Hefe
  • 1/2 TL Zucker
  • 1 TL Salz
  • etwa 200-250 ml warmes Wasser
  • Neutrales Öl zum Ausbacken
Für die Käsefüllung
  • 250 g Fetakäse, zerbröckelt
  • 1 Bund glatte Petersilie, gehackt
  • 1/2 TL edelsüßes Paprikapulver
Für die Fleischfüllung
  • 250 g Hackfleisch (vorzugsweise Lamm und Rind gemischt)
  • 1-2 Schalotten, fein gewürfelt
  • 1/2 Bund glatte Petersilie, fein gehackt
  • 1/2 TL edelsüßes Paprikapulver
  • Salz und frisch gemahlener Pfeffer
Zubereitung
  1. Für den Teig Hefe in 150 ml warmem Wasser auflösen mit Zucker bestreuen und 5 Minuten zugedeckt Ruhen lassen. Restliche Zutaten für den Teig in eine Schüssel geben und in die Mitte eine Mulde eindrücken. Hefemischung in die Mitte geben und aus der Mitte heraus zu einem schönen geschmeidigen Teig kneten, bei Bedarf etwas Wasser hinzufügen. Oder alle Zutaten in die Küchenmaschine geben und 5 Minuten gut kneten lassen. Teig zugedeckt ruhen lassen.
  2. Für die Käsefüllung in einer Schüssel Fetakäse, Petersilie und Paprikapulver vermengen.
  3. Für die Fleischfüllung: Hackfleisch mit Schalotten und Petersilie gut vermengen. Mit Paprikapulver, Salz und Pfeffer würzen. Zur Seite stellen.
  4. Arbeitsplatte mit Mehl bestäuben. Aus dem Teig kleine 12-16 Kugeln formen. Teigkugeln mit den Fingern zu kleinen Kreisen von 15-20 cm Durchmesser formen. Auf die eine Hälfte der Kreise etwas von der gewählten Füllung geben und auf eine Hälfte schön flach verteilen. Die andere Hälfte des Kreises so über die Füllung falten, dass die Ränder genau aufeinandertreffen und Halbkreise entstehen. Die Teigränder mit den Fingern gut andrücken. Teigtaschen auf saubere mit Mehl bestäubte Geschirrtücher setzen. Immer zwei Teigtaschen gleichzeitig zubereiten. Mit den restlichen Teiglingen genauso verfahren und nur kurz vor dem Ausbacken füllen.
  5. In einer Pfanne etwas neutrales Öl erhitzen und die Teigtaschen von beiden Seiten auf mittlerer Hitze golden braten. Die fertigen Teigtaschen auf Papiertüchern abtropfen lassen.
  6. Heiß genießen. Guten Appetit! Afiyet olsun!

8 Comments

  • Mit Yoghurt im Teig hatte ich noch nie welche gemacht- Börek sind in jeder Form immer willkommen. Danke für die Geschichte und Rezepte….
    Und- ich war schon im Topkapi Serail.

    • Großartig! Dann hast du unter Anderem auch die vielen Spezialitäten-Küchen des Palastes gesehen :) Freue mich!

      Liebe Grüße, Semiha

    • Ich gestehe, ich bin süchtig nach Teigtaschen egal in welcher Form 😉 Guten Appetit wünsche ich Euch und einen guten Rutsch ins neue Jahr! Mitternachtsnack schon festgelegt 😉

      Liebe Grüße, Semiha

  • Für mich bitte mit Käse; ich mal mir schon mal den Tee dazu, ja? :-)
    Und ist es nicht noch heute so, dass sich die Männer für das Aufwändige zuständig fühlen und die tägliche Ernährung dann doch meist bei den Frauen liegt?

    • Kommt sofort 😉
      Am Alltag hat sich nicht viel geändert 😉 Frauen sind doch Multitasking-Fähig und viel Einfallsreicher und Flexibler 😉

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