Am späten Nachmittag lässt bei mir die Konzentration etwas nach und die Augenlider werden schwer. Um diese Zeit greife ich gern zu starkem Tee oder Kaffee und einem kleinen Snack, um die Sinne wieder zu beleben. In England nennen wir diese Zeit „Tea-Time“ und bei uns zu Hause heißt dieser Brauch:“Cay vakti – Tee Zeit“. Die Speisen, die in der Türkei zum kräftigen türkischen Tee serviert werden, sind so vielfältig wie die Menschen, die dort leben. Um diese Leidenschaft auf einen Nenner zu bringen, könnte man sagen, wir zelebrieren das Leben mit Essen-Genießen. Sobald der Tee aufgesetzt ist, geht der Griff zum Kühlschrank und an die Tür der Vorratskammer: „Was kann ich zum Tee servieren?“ ist die einzig relevante Frage. Egal ob süß oder herzhaft, am liebsten von allem etwas. Vielleicht ist die Vielfalt an kleinen Speisen in der Türkei auch auf unsere kulturelle Vielfalt und leidenschaftliche Genusslust zurückzuführen.

Mein Vater liebte zartes Gebäck, während meine Mutter eine Vorliebe für kleine herzhafte Bratlinge hatte. Sie experimentierte gern mit einfachen Zutaten – „aus Wenig mache ein Hochgenuss“ war ihre Devise. So entstand eines Tages auch dieses Rezept.

Ich möchte noch erwähnen, dass wir unsere Bratlinge gerne ohne Eier formen und am liebsten backen. Die Bratlinge sind in warmen Zustand weich und schwierig zu wenden. Aber wir lassen sie auf dem Blech etwas abkühlen und servieren sie lauwarm zu Tee. Sie sind dann schon etwas fester und noch herrlich weich in der Mitte. Ein cremiger Genuss mit kräftigem Tee. Wenn Sie also diese Bratlinge lieber in der Pfanne braten wollen, bitte die Bratlinge langsam und vorsichtig wenden und bitte bitte bitte nicht zu häufig wenden, sonst haben sie zum Schluss nur noch Brei und sind frustriert. Das wollen wir nicht. Die Bratlinge auf mittlerer Hitze so lange braten, bis diese auf der Unterseite golden sind, das dauert in der Regel 3-4 Minuten je nach Herd und Pfanne. Geduld und Übung macht den Genießer! Guten Appetit! Afiyet olsun!

Zutaten
  • 50 g feiner Bulgur
  • 1 EL extra natives Olivenöl
  • 1 Bund Frühlingszwiebeln, fein gewürfelt (es geht auch Schnittlauch)
  • 300 g gekochte Kartoffeln, geschält und durch die Kartoffelpresse gedrückt
  • 1/2 TL getrockneter Thymian oder ein paar Thymianzweige, Blättchen abgezupft
  • Salz und frisch gemahlener Pfeffer
  • Leichtes Olivenöl zum Anbraten oder Bestreichen
Zubereitung
  1. Bulgur in eine Schüssel geben und mit etwa 100ml Wasser übergießen und 10 Minuten zugedeckt gut aufquellen lassen.
  2. Olivenöl in einer Pfanne erhitzen. Frühlingszwiebeln darin kurz andünsten und zur Seite stellen.
  3. Das Kartoffelpüree in die Schüssel mit dem Bulgur geben. Frühlingszwiebeln unterheben. Mit Thymian, Salz und Pfeffer würzen und zu einer glatten Masse kneten.
  4. Backofen auf 220ºC vorheizen. Backblech mit Backpapier auslegen.
  5. Aus dem Teig 8-10 Bratlinge formen. Diese auf das Backpapier legen und mit Olivenöl bestreichen. Auf mittlerer Schiene bei 220ºC (200ºC Umluft) in etwa 20-30 Minuten golden backen. Mit Tomaten- und Gurkenscheiben servieren. Guten Appetit! Afiyet olsun!

2 Comments

  • die schmecken sicher fein- wobei ich zur nachmittäglichen Tee-Zeit Süßes bevorzuge. Aber es gibt ja noch andre Tageszeiten zu denen gegessen werden kann….

    • Wir essen die Bratlinge auch gern als leichtes Abendessen mit Salat oder einer Joghurt-Meze! Viel Spaß beim Genießen! Afiyet olsun!

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